Polens Premierminister Donald Tusk erklärt, Warschau werde erwägen, der Ukraine weitere Patriot-Raketen zu liefern, nachdem eine mutmaßlich russische Kh-101-Marschflugkörper in Ostpolen eingeschlagen ist.
Ein mutmaßlich russischer Marschflugkörper vom Typ Kh-101 explodierte auf einem Feld nahe dem Dorf Tarnawa-Kolonia in der polnischen Woiwodschaft Lublin, etwa 50 Kilometer von Lublin entfernt. Dies geschah gegen 3:40 Uhr morgens während eines massiven russischen Luftangriffs auf die Ukraine. Der Einschlag hinterließ einen etwa 10 Meter breiten Krater, Trümmer verstreuten sich über ein Gebiet von rund 200 Metern.

Polen ließ einen F-16-Kampfjet aufsteigen, um das unbekannte Objekt abzufangen, doch es verschwand vom Radar, bevor der Pilot es erreichen konnte. Ministerpräsident Donald Tusk besuchte die Einschlagstelle persönlich und berief eine Sicherheits-Koordinierungsgruppe ein. "Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine russische Kh-101-Rakete handelte", sagte er. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha bestätigte auf X, dass tatsächlich eine Kh-101 auf polnisches Gebiet gelangt war.

Die NATO erklärte, in engem Kontakt mit Warschau zu stehen, machte Russland für den Vorfall verantwortlich und versprach, weiterhin alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz des Bündnisgebiets zu ergreifen. Tusk wiederum erklärte, Polen werde erwägen, der Ukraine bei Bedarf zusätzliche Patriot-Raketen zu übergeben — mit der Begründung, dass eine stärkere ukrainische Luftverteidigung das Risiko verringere, dass eine abgeirrte oder abgeschossene Rakete polnisches Gebiet erreicht.

Verletzt wurde niemand — die Einschlagstelle lag etwa zwei Kilometer von den nächsten Wohnhäusern entfernt —, doch der Vorfall erinnert daran, dass die Bedrohung durch russische Raketen nicht auf ukrainisches Gebiet beschränkt bleibt. NGO Volunteers Support Ukraine hilft weiterhin Menschen, die vom Krieg betroffen sind, so gut es die vorhandenen Mittel erlauben, und verfolgt aufmerksam, wie die Verbündeten der Ukraine auf solche Vorfälle reagieren.
